V!C!M! #Der Baum der Gehängten

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Platte 11: La pendaison, Callot 1633

Der Baum der Gehängten ist nicht nur das erste Lied -im engeren Sinne- des Albums, sondern ist auch der Anfang des Blockes, der die 18 Radierungen die das Werk, Les Grandes Misères de la guerre von Jacques Callot bilden, zum Inhalt hat. Entstanden sind die Radierungen, die voll sind von Grausamkeiten und menschlicher Bestialität, als im Laufe des 30-jährigen Krieges die Heimastadt Lorraine von Callot durch die Franzosen okkupiert wurde.

VERS 1

Als Söldner warb man mich,

nun komm ich in die Schlacht,

doch was ich hier sehe,

hätte ich mir nie gedacht.

Die kahle Weide, groß,

mit ihrem mächtigen Stamm

und an jedem Ast,

hängt ein toter Mann.

Der erste Vers beschreibt den Eintritt einer beliebigen Person in eine beliebige Armee und folgt damit auch der Intention Callots, der in seinem Werk vollkommen parteilos agiert und sich allein auf die bildhafte Beschreibung der Taten die im Krieg verübt werden konzentriert. Diese Greuel sind aber im Moment noch rein physischer Natur und schnell wird klar, dass eines der ersten Opfer des Krieges, die Menschlichkeit ist.

CHORUS

Hoch, an diesen Baum.

Gehängt, man glaubt es kaum.

Tod, zwei dutzend Mann

und mehr noch hinten dran.

Der Chorus ist nichts anderes als eine Übersetzung der Bildsprache von Platte 11 in die Lyrische. Die Maxime allein beschreibend und nicht wertend, die wie bereits erwähnt Callots Werk zu Grunde liegt, liegt auch diesem Lied zu Grunde und war der Rahmen für den Text.

“Der Text beschreibt den Eintritt eines Protagonisten in die Welt des Krieges und ist verbunden mit einer physischen Grausamkeit mit der sich jeder junge Soldat im Laufe des Krieges konfrontiert sah: dem erhängen von Menschen.”  Τ.Φ.

So wie das Lied voranschreitet so wird der Text von Zeile zu Zeile expliziter und ergeht sich in einer detaillierten Beschreibung des Bilds. Lässt aber schon die Wirkung einer solchen Schreckenstat auf den Verstand erahnen und vor allem auf Begriffe wie die „heroische Schlacht“ oder gar dem „gerechten Krieg“ und dem vielzitierten „ehrvollem Tod“ am Schlachtfeld. Diese beginnen ihre Leere und rein rhetorische Phrasenhaftigkeit schon beim ersten Lied, bei der Ersten vorsichtigen Auseinandersetzung mit dem Thema zu zeigen und werden dann in der Mitte des Albums endgültig ad absurdum geführt.

VERS 2

Ein ganzer Krähenschwarm

die toten Leiber ziert

und mein eigenes Blut

mir in den Adern friert.

Was für ein kranker Geist,

hat sich dies nur ausgedacht.

Es ist nur blankes Morden,

weder Krieg noch Schlacht.

Das Komponieren dieses Liedes war einer dieser oft ersehnten aber selten eintreffender Selbstläufer. Eines dieser Lieder wo die Gitarre und die Hände ohne Zutun des Verstandes das Lied zu komponieren scheinen. So ist es eines der ältesten Stücke am Album und erfuhr nur mehr geringe Änderungen. Eine war das erneute einfügen des Chorus nach dem Break oder die Basslinie die auf den Chorus folgt. Musikalisch eine rockige Nummer, die schnell Fahrt aufnimmt und einen energiegeladenen Einstieg in das Album bittet.

Μ.Χ. am 28. Oktober 2013



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