V!C!M! #Der Krieg in mir

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 Platte 60: No hay quien los socorra, de Goya 1810s

Die Heerscharren Napoleons überschwemmen die iberische Halbinsel hinterlassen eine Spur aus Blut, dem ihrer „Feinde“ und dem Eigenen. Die Spanier führen ihren eigenen Krieg sie nennen in Guerilla. Doch dies alles ist nichts neues, das Greifbare das Äußere wird schon bei Callot schmerzlich deutlich und so beschäftigt sich dieser Block mit dem Inneren, mit der Psyche.

IDENTITÄT 1

Fang doch an, schieß ihn tot, weg mit dieser Ausgeburt.

Komm drück ab, ziele gut, denn dein Antrieb ist die Wut.

IDENTITÄT 2

Nein halt ein, lass doch sein, füll nicht noch ein weiteres Grab.

Denk daran, das wärest du. Lass die arme Seele ruhen.

Das Kriegsgeschehen verlagert sich nach Innen und es entbrennt ein wohl klassischer Dialog zwischen Gut und Böse. Schon mit den ersten Klängen des Liedes beginnt dieses Streitgespräch, eine Identität immerzu drängend und verführend. Gesungen wurde sie von Robert Isak und seine markanten Stimme bietet ein deutlichen Kontrast zu der fast weinerlich wirkenden von Τ.Φ. die einen Kontrapunkt des Rückhalts der Reflektion darstellt. Die Zerrissenheit des Charakters ist deutlich im Lied zu spüren, es wirkt dabei gehetzt und ruhelos und kulminiert zum ersten Mal im Chorus der eine weitere Identität einführt.

 CHORUS

Fang doch an! (IDENTITÄT 1)

Lass doch ab! (IDENTITÄT 2)

Immer weiter dreht das Rad (IDENTITÄT 3)

Fang doch an (IDENTITÄT 1)

Lass doch ab (IDENTITÄT 2)

Du Alleine hast die Wahl (IDENTITÄT 3)

Komm drück ab (IDENTITÄT 1)

Halte ein (IDENTITÄT 2)

Tue wie es dir beliebt (IDENTITÄT 3)

Komm drück ab (IDENTITÄT 1)

Halte ein (IDENTITÄT 2)

Zwei Seelen wohl in deiner Brust (IDENTITÄT 3)

Die dritte Identität ist die eines äußeren Beobachters und wird von  Φ.Ω. verkörpert. Sie wirkt im Gegensatz zu den anderen Beiden ruhig und ausgeglichen. Sie könnte jene der Vernunft sein, diejenige die die Eigenverantwortung herausstreicht und betont. Die Frage aus dem ersten Beitrag also erneut aufgreift und beantwortet. Aber kaum ein paar Augenblicke später ist sie wieder verschwunden und ihre kontinuierliche Logik wird hinfort gefegt durch die einfache binäre der zwei Identäten des Anfangs.

IDENTITÄT 1

Fang doch an, schieß ihn tot, weg mit ihm

IDENTITÄT 2

Halte ein, lass doch sein, lass ihn ziehen

Der Disput der Beiden endet mit einer letzten feurigen Rede jeder Stimme. Die Eine beschwört die Unveränderlichkeit der Dinge herauf und das es doch Schicksal sei, man dafür nichts könne die Freiheitsgrade so sehr eingeschränkt seien, dass man schlussendlich immer dort landen muss wie es in Strappado beschrieben wurde.

 IDENTITÄT 1

Dunkelheit wird dich verschlingen,

sie wird dich in die Knie zwingen.

Lass dich gehen, sei gewiss,

der Tod steht’s dein Begleiter ist.

Die Andere aber appelliert an den Verstand an die Fähigkeit der Reflexion, an das Vergessen und an das Neuanfangen. Es versucht den Determinismus der Ersten durch alleinige Willenskraft zu durchbrechen.

IDENTITÄT 2

Vergiss den Krieg, den du gesehen,

du kannst dem Ganzen wiederstehen.

Beweise dir das du es schaffst,

du alleine hast die Kraft.

Der Krieg verliert nun Stück für Stück sein materielles und wird immer mehr zu einer Streit des Inneren. Die Kampfhandlungen, das Schlachten, das Morden sind noch immer existent und hinterlassen immer deutlicher Narben in der Psyche. Der Krieg der Anderen wird zu dem Krieg des Eigenen.

 Μ.Χ. am 28. November 2013



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