V!C!M! #Desastres de la guerra

Verwundeter Soldat 1916

Verwundeter Soldat, Dix 1916

Der erste Teil liegt hinter uns und die schwarzweißen Radierungen von Callot machen denen von de Goya Platz. Wir wandern der Zeitachse entlang und halten im Jahr 1817 und zeitgleich auf der parallelen im Jahre 1916. Dix schafft seinen Zyklus Der Krieg. Die Grundlage der zwei Werke die noch folgen sollen. Er fängt die Schrecken des ersten Weltkrieges ein die sich äußerlich von jenen die de Goya und Callot beschreiben unterscheiden mögen im Inneren jedoch sind es dieselben.

EINTRAG 2

Monströs aufgedunsen als wollten sie gleich platzen. Dunkel verfärbt, fast schwarz. Vom Gas hingerichtet. Die linke Hand weggeschossen, die Rechte von Schmerzen verkrampft auf den Unterleib gepresst in dem ein Loch klafft aus dem die Eingeweide heraus drängen. Das Gesicht verzehrt, der Mund weit geöffnet wie die Augen. Einer von vielen Verletzten. Ein anderer ist kaum mehr als Mensch zu erkennen, so zusammengeschossen, dass nur mehr Stücke von ihm über sind. Letzte Nacht Patrouille: Grinsend, die Uniform in Fetzten lief eine Gestalt durch den Graben. Nur ein weiteres Opfer das sich zu den unzähligen anderen gesellt.

Die Briten haben eine Hagel aus Artilleriefeuer auf uns herab gelassen. Und wir hocken im Graben  essen, schlafen und warten. Der Schützengraben wurde genau da angelegt, wo kaum einen Meter tief einer begraben wurde. Nun hängen seine Bein in den Graben. Das geschieht immer wieder. Im Graben bekommt man Angst, doch vorne, ganze vorne. Da hat man keine Angst mehr. Wenn wir uns dann ein paar Meter erkämpft so waten wir durch Leichen. Männer die in unserem Trommelfeuer ihr Ende fanden. Das weiß man nicht, kann es sich nicht ausmalen, hat man es nicht gesehen.

Strahlte das Selbstbildnis als Mars noch eine Heroik aus so ist diese jetzt vollkommen verschwunden. Dix meint man könne es sich nicht vorstellen hat man es nicht gesehen. Später wird er seine Gedanken weiter verdichten und zu Papier bringen was wahre Realistik bedeutet. Das Lied treibt also die Geschichte Dixs voran. Die Musik tritt dabei in den Hintergrund und wird zu einem Vehikel das einzig und allein dem Fortschreiten der Gedanken Dixs verpflichtet ist. Immer wieder werden Melodien zerrissen, Rhythmen aufgebrochen und Harmonien zerfetzt. So sprunghaft wie ein innerer Monolog so sprunghaft ist auch das Lied. Man merkt wie der Himmel dunkler wird und das Hochgefühl aus Strappado verebbt und versandet. Der Boden ist bereitet und die Welt de Goyas wartet schon; züngelnd und giftig.

 Μ.Χ. am 20. November 2013



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