V!C!M! #Effet de neige à Petit-Montrouge

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Der Schützenbraben, Dix 1923

Die ersten beiden Blöcke zeigten die Auswirkung des Krieges. Seine Wirkung auf die Umgebung und seine Wirkung auf das Innere. Die Frage nach der Natur des Krieges lies uns in tief in die Psyche eines im Krieg befindlichen vordringen und brachte uns der Antwort damit ein Stück näher. Zeigte also der erste Block stark beschreibend Schlachten, Morden, Kriegsgerät und zertrümmerde Landschaften immerzu der Realität verpflichtet und nach fotografischer Präzesion strebend so verlagerte sich der Blickwinkel im zweiten Block. Das Fotografische verschwindet immer mehr und man beginnt zu erahnen was sich hinter all dem verbirgt. Dix ist aus dem Krieg zurück gekehrt und beginnt damit sich auf sein großes Werk vorzubereiten. Er weis was er darstellen möchte nur fehlt ihm noch das handwerkliche Geschick.

EINTRAG 3

In der Dresdner Akademie erlernte ich nach Modellen zu malen. Figuren zu erfassen. In der Anatomie des Friedriechstädter Krankenhauses malte ich Leichen, lies mir Gehirne, Lungen und anderen Innereien geben. In Palermo saß ich in den Katakomben und zeichnete einen Knochen nach dem Anderen. Eine Leinwand 2.27 mal 2.5 grob bespannt mit barbarischem Material um der Barbarei die sie beherbergen wird gerecht zu werden. So steht der Betrachter mitten im einen zerschossenen Schützengraben. Überall liegen Trümmer: Eisenstangen verbogen, Holz zersplittert,  Draht und Gasmaske. Alles vermischt sich mit Blut, Gedärm und Fleisch. Aus den toten Soldaten kriechen schon die Würmer im scharfen Kontrast, gänzlich weiß. Einer aufgespießt, totensteif und hinter ihm dämmert es in prächtigen Farben. Elendig und voller Ekel so ist der Krieg. Granatenblitze, Kadaver vom Mensch und Tier, fliehende, schreiende, sterbende Menschen. Jedoch, Angst will ich nicht erzeugen, ich will meine Erlebnisse zusammenfassen, vom erdhaften reinigen und zeigen, dass echtes menschliches Heldentum in der Überwindung des unsinnigen Sterbens liegt.

Wir nähern uns der finalen Darstellung, dem zentralen Werk des Albums. Der Abstraktionsgrad nimmt dabei stetig zu. Der Schützengraben wird uns dort wieder begegnen doch bevor wir dort hin können müssen wir eine letzte Facette des Krieges beleuchten: die Anwesenheit des Krieges trotz seiner Abwesenheit. Eine Paradoxon das in Effet de neige à Petit-Montrouge grausame Realität wird.

 Μ.Χ. am 19. Dezember 2013



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