V!C!M! #Ewigkeit

VCM_Ewigkeit_Titelbild_Eintrag

Effet de neige à Petit-Montrouge, Manet 1870

Konzentrieren wir uns jetzt auf den unteren Teil des Bildes. Blenden wir gedanklich den oberen aus so erkennen wir eine Landschaft, die sich bis ins unendliche weiter zu ziehen scheint. Immerzu grau und trostlos. Unendlich, ewig. Jedoch musikalisch erscheint das Lied Ewigkeit sehr abwechslungsreich:

“Geschwindigkeit, Brutalität, Drama – Ewigkeit ist ein perfektes Beispiel dafür. Die freien Wechsel zwischen Drei- und Vierviertel Takt machen das Lied u.a. zu einer Achterbahnfahrt”  Φ.Ω.

Dieser harte Kontrast zu der Monotonie des Bildes lässt diese noch deutlicher werden. Der Hang zum Dreiviertel Takt ist bei diesem Lied am stärkesten und so scheint man als Österreicher doch, so schlecht man auch Tanzen mag, den Walzer im Blut zu haben.

VERS 1

Die Schatten wandeln übers kalte Land.

Ich folge ihnen durch die graue Wand.

Ein Meer aus Eis ist mein einziger Pfad,

Der Toten Stimmen klingen durch die Nacht.

Mein einziger Freund in dieser Zeit…

Mein letzter Freund ist die Ewigkeit.

Wir sind also endgültig an einen Punkt angelangt, an dem der Krieg nur mehr ein Gedanke ist. Etwas schwebendes, nebulöses und ungreifbares. Er hat seine Substanz nun völlig verloren und scheint doch alles zu durchdringen.

 CHORUS

Und so zieh ich fort über totes Land,

durch der Kreuze Wald bis zur Unendlichkeit.

Und so zieh ich fort über kalten Grund;

durch die Nebelwand bis in die Ewigkeit.

Im Laufe des Albums, unserer Wanderung entlang der Zeitachsen, mal vor, mal zurück springend sind wir an einem Punkt angelangt der uns den Krieg losgelöst von den üblichen Motiven begreifen lässt. Diese jähe Erkenntnis springt einen unerwartet an, sowie der Wechsel hin zum zweiten Vers. Wie ein Hammerschlag wirft einen diese Erkenntnis zu Boden, man begreift nicht was der Krieg ist, man erkennt es nicht, fürchtet sich nicht genug vor ihm hat man ihn nicht selbst erlebt.

 VERS 2

So werd ich mit den Schatten ziehen

zu künden von der Einsamkeit.

Der Mond leuchtet mir den weg,

für mich ist es schon längst spät.

Man erkennt scheinbar nur, wenn man es selbst erlebt. Ist der Krieg denn trotz seiner Schrecken, seiner Untaten die wir alle kennen, auf Bildern gesehen haben, aus Erzählungen gehört doch noch so abstrakt, dass wir erst wirklich wissen was er bedeutet wenn wir inmitten seines fauligen Mauls stehen und kurz davor stehen zermalmt zu werden?

 VERS 3

So werd ich mit den Schatten ziehen

bis der bleiern Kuss mich trifft.

Ein rotes Grab wird mich aufnehm’

mein Rastplatz für die Ewigkeit.

Wir begreifen, aber zu spät. Wir begreifen immer zu spät und sobald wir begriffen haben, vergessen wir wieder. Ein Lied noch, ein letztes mal betreten wir die Bühne zum Klang der Totengeigen.

Μ.Χ. am 02 Jänner 2014



Kommentare sind geschlossen.