V!C!M! #Vor mir türmen sich die Scherben

VCM_Scherben_Titelbild_Eintrag

Effet de neige à Petit-Montrouge, Manet 1870

Im Jahre 1870 meldet sich Manet freiwillig um im Deutsch-Französischen Krieg die zu dieser Zeit kaum den Kinderschuhen entwachsene Republik zu verteidigen. Er gewährt uns mit seinen 1870 entstandenen Landschaftsbild Effet de neige à Petit-Montrouge einen gänzlich anderen Blick auf den Krieg als es Callot oder de Goya getan haben. So trist und farblos wie das Bild so beginnt auch das Lied Vor mir türmen sich die Scherben. Schleppend und wahrhaftig im Doom Metal angesiedelt.

VERS 1

Vor mir türmen sich die Scherben, die Glocken sind längst verklungen.

Wo einst Leben herrschte, alles vom Schnee verschlungen.

Der Text ist wie schon bei Der Baum der Gehängten die Übersetzung der Bildsprache in die der Lyrik. Bestimmt von Resignation zeigt dieses Werk eine angsteinflößende, ja postapokalyptische Welt. Eine Welt die in Schnee und Eis erstarrt ist. Würde man nicht wissen unter welchen Umständen das Bild entstanden ist so käme einen gar nicht in den Sinn, dass es vom Krieg handeln könnte.

CHORUS

Wut wächst… Der Zweifel nagt…

Kalter Tod, lauert, in den Schatten.

Wut wächst… Was wird geschehen?

Ein eisiges Grab, oder blutig sterben?

Der Wechsel zwischen Vers und Chorus ist fließend, die eisige Ruhe die frosterstarrte Langsamkeit des Anfangs sind verschwunden. Bei den Bildern und Liedern davor war das Wie man sterben könnte deutlich und es gab keine Alternative außer die des Ja oder Neins. Jetzt aber scheint es unzählige Möglichkeiten zu geben und jede einzelne zieht unaufhörlich sich nie wiederholend vor dem inneren Auge vorbei. Diese Unsicherheit mündet schlussendlich in Wut und Angst.

 VERS 2

Ich sehe braches Land,

eingehüllt, in weißen Glanz.

Der schwarzer Reiter zieht seine Wege,

ich kann nur hoffen, dass ich ihm nicht begegne.

Der Geist scheint vergiftet. Die Geschwindigkeit von Vers und Chorus machen wieder Platz für einen schweren Magma-artigen Einschub. Ein Gitarrensolo durchbricht die Monotonie, ein kurzes Aufflammen von Abwechslung der sonst so erdrückenden Langeweile. Der Augenblick ist kurz und wieder stürzen die Gedanken und Möglichkeiten auf einen herein, der Krieg füllt den Verstand vollständig und gnadenlos.

Μ.Χ. am 26 Dezember 2013

 



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